Geschichte der Schäferei

14. Jahrhundert
Bis zum 14. Jahrhundert beschränkte sich die Schäferei in Südwestdeutschland hauptsächlich auf die Beweidung dörflicher Gemeinschaftsweiden, den sogenannten Allmendweiden. Zu jener Zeit erhielt die Schafhaltung den entscheidenden Aufschwung im Zuge der immens gestiegenen Nachfrage nach heimischer Schafwolle durch das sich immer mehr ausbreitende Tuchmachergewerbe. Die Landesherrschaft sicherte sich das Privileg der Schafhaltung durch die „Triftgerechtigkeit“ (Triebrechte), die im Laufe des Mittelalters auf das ganze Land ausgedehnt wurde. Durch Schafbeweidung sollten zudem die während der mittelalterlichen Wüstungsperiode aufgegebenen landwirtschaftlichen Flächen wieder einer Nutzung zugeführt werden. Die Weiderechte wurden überwiegend von Kammerschäfern ausgeübt, die unter herrschaftlichem Schutz standen. Über das ganze Land verteilt gab es Schafhöfe, von denen aus die Herden auf die Weide zogen. Im Sommerhalbjahr wurden Weiden in klimatisch benachteiligten Gebieten (z.B. Schwäbische und Fränkische Alb) aufgesucht, zu Beginn des Winters mußten die Herden in klimatisch günstigere Gebiete ausweichen, z.B. ins Rheintal oder in den Bodenseeraum.

16. Jahrhundert
Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Schafhöfe mitsamt der Triftgerechtigkeit in Erbpacht gegeben, Mitte des 18. Jahrhunderts fand die herrschaftliche Schäferei ihr Ende. Alle Herden, Gebäude und Güter der Schäfereiverwaltung wurden verkauft. Das Schäfergewerbe wurde von da ab auschließlich von Privatschäfem betrieben, die ihre Wanderungen ausdehnten und völlig unabhängig von der Stallhaltung wurden. Es entwickelte sich die echte Transhumanz („Landgefährt“) in Form der Wanderschäferei.

17. Jahrhundert
Mit der steigenden Bevölkerung im 17. Jahrhundert nahm der Nahrungsmittelbedarf zu. Während sich die landwirtschaftlichen Flächen ausdehnten, wurden die Schafweiden allmählich auf die ungünstigeren Standorte abgedrängt.

19. Jahrhundert - "die Blütezeit der Schäferei"
Trotz zunehmender Nutzungskonflikte zwischen Bauern und Schäfern erlebte die Schafhaltung auf der Schwäbischen Alb ihre Blütezeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Für die Wanderschäferei im Süddeutschen Raum sind Schwäbische und Fränkische Alb die wichtigsten Sommerweidegebiete.

Die Triebrichtungen der südwestdeutschen Transhumanz sind durch Pfeile gekennzeichnet (aus JACOBEIT 1961)
 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die Lage der Wanderschäfer zusehends. Zum einen ging im Zuge der Intensivierungen in der Landwirtschaft immer mehr Weideland verloren und das Triebwegenetz wurde zunehmend beschnitten. Zum anderen wurde die Schafhaltung in Deutschland durch den steigenden Import billiger Schafwolle aus Australien und Neuseeland negativ beeinflußt.

20. Jahrhundert
Verheerend auf die Schafhaltung hat sich auch das Ausfuhrverbot von Schlachtschafen nach Frankreich zu Beginn des Dritten Deutschen Reiches ausgewirkt. Der Schafbestand in Württemberg verringerte sich von 577.000 Tieren im Jahre 1873 auf 181.000 Tiere im Jahre 1943. In den 60er Jahren erreichte die Schafhaltung mit 116.000 Tieren ihren absoluten Tiefstand. 1994 wurden in Baden-Württemberg wieder 271.000 Tiere gezählt.

 
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