Die heutige Situation der Schäferei

Auch heute spielt die Wanderschäferei in Baden-Württemberg noch eine wichtige Rolle. Die vorherrschende Schafrasse in der Hütehaltung ist das Merinolandschaf. Rund 90 % aller Tiere gehören dieser robusten Rasse an, welche sich auch mit einer schlechten Futterqualität des Grases begnügt. Zur Zeit weiden auf der Schwäbischen Alb im Sommerhalbjahr über 100.000 Schafe. Zu Beginn des Winterhalbjahrs wandern die Schäfer mit ihren Herden in klimatisch günstigere Gebiete wie Rheintal, Bodenseeraum sowie mittleres und oberes Neckartal.

  Merinolandschaf
Die Probleme der Wanderschäferei
Diese Form der Schäferei wird aber zunehmend erschwert durch immer knapper werdende Herbst- und Winterweiden, durch Straßenbau und sich stark ausbreitende Siedlungen. Im Zuge der Flurbereinigungen verschwanden zahlreiche alte Triebwege oder wurden verlegt. Nicht zuletzt machen die sozialen Probleme des Wanderschäferlebens wie die häufige und lange Trennung von der Familie den Beruf für junge Leute unattraktiv.
Die stationäre Hütehaltung
Aus diesen Gründen wird der stationären Hütehaltung, bei der der Schäfer eine Hofstelle mit Schafstall bei den Sommerweiden hat, in der heutigen Zeit eine immer wichtigere Rolle beigemessen. Während der Vegetationsperiode „befährt“ der Schäfer die Flächen mit seiner Herde in Hütehaltung. Im Winter werden die Schafe im Stall gehalten und mit Heu gefüttert. Dieses wird zugekauft oder selbst geworben. Durch die stationäre Hütehaltung verbessert sich auch die soziale Situation der Schäfer. Zum einen ist ein geregeltes Familienleben möglich, zum anderen kann sich der Schäfer vermehrt am dörflichen sozialen Leben beteiligen.
Die Einkommenssituation
Um ein mit einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb vergleichbares Einkommen zu erwirtschaften, ist für einen Schafbetrieb eine Herdengröße von mindestens 500 - 600 Mutterschafen erforderlich. Seine Haupteinnahme erzielt der Schäfer heute durch landwirtschaftliche Prämien und durch den Verkauf von Lammfleisch. Auch bei stationärer Hütehaltung muss ein Schäfer in Baden Württemberg heute um seine finanzielle Existenz bangen. Ohne staatliche Förderungsprogramme wäre sein Betrieb nicht überlebensfähig. Grund dafür sind die niedrigen Preise für Lammfleisch und Schafwolle, deren Marktpreis durch die Importe aus Neuseeland und Australien, neuerdings auch aus ehemaligen Ostblockländern, bestimmt werden.
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