Die Entstehung und die Gefährdung
von Wacholderheiden |
| Eine
entscheidende Rolle bei der Entstehung der Wacholderheiden bildete die Schafhaltung.
Das Schaf erlangte im Mittelalter eine zunehmende Bedeutung als Woll- und Fleischlieferant,
die Schafbestände stiegen, der Beweidungsdruck auf Flächen nahm zu. Mit Schafen
konnten auch stark geneigte oder andere Flächen beweidet werden, die von einer
anderen landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen blieben. Die ständige Beweidung
bei fehlender Düngung führte zu einer Aushagerung der Böden. Weitere wirksame
Faktoren auf diesen Flächen sind neben der Nährstoffarmut vor allem der starke
Lichteinfall, große Temperaturschwankungen (süd- und südwestexponiert) sowie ein
extremer Wasserhaushalt aufgrund der geringen Wasserspeicherfähigkeit der flachgründigen
Böden. So entwickelten sich durch die Kombination der Schafbeweidung und der standörtlichen
Faktoren die anthropogen-zoogenen Kalkmagerrasen, die sich bis ins letzte Jahrhundert
hinein dadurch auszeichneten, daß sie kurzrasig und überwiegend frei von Gehölzen
waren. Die
"klassische" Wacholderheide Mit
dem stetigen Rückgang der Schäferei ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
ließ die Beweidungsintensität auf den Kalkmagerrasen mehr und mehr nach. Nun konnten
sich vermehrt Pflanzenarten etablieren, welche sich zuvor aufgrund der intensiven
Beweidung und der Bekämpfung durch den Schäfer nicht durchsetzen konnten. Besonders
augenfällig entwickelten sich Wacholder und Schlehe, außerdem breiteten sich Saumarten
und bestimmte Gräser aus. Die Schafweide entwickelte sich zum Bild der „klassischen“
Wacholderheide. |
| Die
Wacholderheide - ein bedrohter Lebensraum Seit
Beginn dieses Jahrhunderts ist ein Rückgang der Kalkmagerrasen bzw. der Wacholderheiden
zu beobachten. Allein im Regierungsbezirk Stuttgart sind die Heiden zwischen 1900
und 1960 um 50 % auf eine Fläche von 5610 ha zurückgegangen. In den Jahren von
1960 bis 1990 sind sie um ein weiteres Drittel auf knapp unter 3000 ha zusammengeschrumpft.
|
Ursachen
& Folgen Als Gründe für den dramatischen
Schwund der Wacholderheiden sind die vielen Aufforstungen sowie die Umwandlung
in Acker- oder Grünland im Zuge der starken landwirtschaftlichen Intensivierung
nach dem zweiten Weltkrieg zu nennen . Aber auch die Überbauung von Flächen im
Zuge der Siedlungsentwicklung sorgte in den letzten Jahrzehnten für Verluste.
Jahrhundertealte Triebwege, die die einzelnen Weidegebiete miteinander verknüpften,
wurden in Flurbereinigungsverfahren größtenteils weggeplant oder im Zuge von Straßenbaumaßnahmen
unterbrochen. Auf etlichen Wacholderheiden wurde die Nutzung aufgrund von Unrentabilität
ganz aufgegeben. |
Nutzungsaufgabe
& Sukzession Bei
Nutzungsaufgabe fallen die Heideflächen ungehindert der Sukzession anheim und
entwickeln sich letztendlich zu Wald. Diese Entwicklung ist insbesondere in den
letzten 30 Jahren zu beobachten. Die
heute noch bestehenden Wacholderheiden zeigen sich überwiegend als kleinere, meist
isoliert liegende Flächen inmitten einer durch Flurbereinigungsmaßnahmen stark
ausgeräumten Landschaft. So verteilen sich die 1980-1982 erfaßten Wacholderheiden
mit einer Größe von damals 3267 ha im Regierungsbezirk Tübingen auf 993 Einzelobjekte,
wobei 80 % der noch vorhandenen Flächen kleiner als 5 ha sind. |