Geschichtlicher Exkurs
Landschaft im Wandel ...
Insbesondere seit den 50er-Jahren ist auf der Schwäbischen Alb ein erschreckender Rückgang der Wacholderheiden mit ihren typischen Kalkmagerrasen zu verzeichnen. Der Wandel geht langsam aber kontinuierlich vor sich - das Landschaftsbild wird heute zunehmend vom Wald geprägt.
Im gleichen Zeitraum nahmen die Schafherden und die Zahl der Schäfereien in Baden-Württemberg stark ab, allein im Raum Münsingen weiden 1998 nur noch halb so viel Schafe wie in den 40er-Jahren, andernorts ist der Rückgang noch wesentlich drastischer.
Der Zusammenhang wird erst bei näherer Betrachtung deutlich: Nur durch den Erhalt intakter und wirtschaftlich tragfähiger Schäfereibetriebe und eiener funktionierenden Landwirtschaft lässt sich der Fortbestand unserer typischen Alblandschaft dauerhaft sichern.
Dabei kommt dem auf den kräuterreichen Heiden erzeugten Lammfleisch eine Hauptrolle zu. Dieses Fleisch ist zart und saftig, es zeichnet sich durch seinen würzigen Geschmack aus. Und wir selbst können durch die Nachfrage nach diesem Lammfleisch etwas zur Wirtschaftlichkeit der heimischen Schäferei und damit zum Erhalt der Landschaft beitragen.

Der Wandel der Heideflächen
Die auf den Bildpaaren im Sektor Landschaftswandel gezeigten Landschaftsausschnitte machen die Veränderung der Heiden auf der Schwäbischen Alb besonders deutlich. Viele in den 40er- Jahren noch völlig offene Wachholderheiden wurden meist bis Anfang der 70er-Jahre beweidet - 25 Jahre ohne Schäfer genügten um die Flächen bis heute weitgehend zuwachsen zu lassen. Nur durch teure mechanische Pflege konnte diese Entwicklung ein wenig gebremst, aber nicht langfristig aufgehalten werden.

Landschaftswandel und Wacholderheiden
...Landschaft pur...
Wacholderheiden prägen in unverwechselbarer Weise die Landschaft der Schwäbischen Alb. Dem Menschen dienen sie zur Erholung, vielen Tieren und Pflanzen als Lebensraum. Ihre Entstehung verdanken sie vor allem der Beweidung mit Schafen.

Um diese Landschaft in ihrer Eigenart und Bedeutung zu erhalten und zu sichern wurde auf der Münsinger Alb das Kalkmagerrasenprojekt initiiert. Das Projektgebiet beinhaltet einen typischen Bereich des Naturraumes "Mittlere Schwäbische Alb". Es umfasst die Münsinger Alb von Münsingen bis südlich Mehrstetten und das Große Lautertal, aber auch Flächen rund um Mägerkingen und Trochtelfingen.

Für die aus Jurakalk aufgebaute Schwäbische Alb sind vor allem trockene Lebensräume wie gemähte oder beweidete Halbtrockenrasen (Wacholderheiden) und Wirtschaftswiesen magerer Ausprägung charakteristisch.

Herausragende Bedeutung für Naturschutz :
Kalkmagerrasen gehören zu den artenreichsten Lebensgemeinschaften Mitteleuropas. Sie zeigen eine hohe Artenvielfalt trockenheits- und wärmeertragender Spezialisten der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und wärmebedürftiger Arten, deren Hauptverbreitungsgebiet in südlicheren Regionen zu finden ist. Zudem bieten diese mageren, blütenreichen Standorte Überlebensmöglichkeiten für Tierarten, die ansonsten in unserer intensiv genutzten Landschaft keine anderen blütenreichen Habitate mehr finden. Deshalb besitzen diese Lebensräume eine herausragende Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz.

Neuere Kartierungen aus dem Projektgebiet belegen konkret, daß dort zahlreiche bundesweit gefährdete Tier- und Pflanzenarten anzutreffen sind.

Heideverluste:
Die Aufgabe der traditionellen Nutzung (Schafweide, Mahd) auf den Kalkmagerrasen mit der Folge der Wiederbewaldung stellt den wesentlichsten Grund für Beeinträchtigungen und Gefährdungen dieses Lebensraumtyps dar. Hinzu kommen Verluste durch Aufforstungen, landwirtschaftliche Intensivierung und Baumaßnahmen. Beeinträchtigungen und Konflikte gibt es aber auch durch Freizeitnutzungen.

Gundelfingen-Wittsteig 1954 mit Ruine Hohengundelfingen

Bild:
Ansicht aus dem südlichen Lautertal 1954, Archiv Stadt Münsingen

Rückgang der Wacholderheiden

Bereits seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts findet ein Flächenrückgang der Kalkmagerrasen auf der Schwäbischen Alb statt. Seit den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts hat dieser stark zugenommen. Im Regierungsbezirk Tübingen wird der Verlust auf etwa 50 % innerhalb der letzten 100 Jahre geschätzt. In Gebieten außerhalb der Schwäbischen Alb liegen die Verluste teilweise sogar bei fast 90 % .

Nur durch die Wiedereinführung der schäfereilichen Nutzung zusammen mit sporadischer mechanischer Pflege ist dieser Biotopkomplex nachhaltig zu sichern. Ziel- und Maßnahmenkonzept zum Erhalt der Kalkmagerrasen Auf der Grundlage umfangreicher wissenschaftlicher Voruntersuchungen wurde ein Maßnahmenkonzept zum Erhalt dieser Flächen entwickelt, welches derzeit in der Umsetzungsphase ist. Dieses Konzept ist so ausgerichtet, daß extensive Nutzungsformen der Weide- und Mähnutzung gestärkt und erweitert werden und so die genutzten Flächen auch künftig die überaus wichtige Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz beibehalten ("Erhaltung und Schutz durch Nutzung").

Die Konzeption beinhaltet intensive Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel einer weiten Verbreitung der Projektziele und der Integration aller Beteiligten. Entwicklungsziel Vorrangiges Ziel für das Projektgebiet ist ein System von extensiv genutzten Weiden und Wiesen, durchzogen von einem lückenlosen Triebwegenetz und ausgestattet mit sonstigen für die Schafbeweidung erforderlichen Flächen (z.B. Pferchäcker).
Auf diese Weise soll ein Biotopverbund in der offenen Landschaft entstehen. Defizit an Schafen Im Projektgebiet gibt es aktuell ca. 650 ha Kalkmagerrasen in unterschiedlichem Zustand. Wiederbewaldete Flächen sind hierbei nicht eingerechnet. Der aktuelle Bestand an Hüteschafen zur wirkungsvollen Erhaltung dieser Landschaft ist noch zu gering. Nur durch ausreichend starke Beweidung, ergänzt durch sporadische Entbuschungen, kann eine nachhaltige und ökonomisch vertretbare Offenhaltung der Landschaft erreicht, sowie die wertvolle Tier- und Pflanzenwelt der mageren Flächen erhalten werden. In der Lösung dieses Problems liegt der Schlüssel für die Förderung der Heideflächen.

Wie kann der Landschaftswandel gebremst werden?

In allererster Linie muss dazu die schäfereiliche Nutzung gefördert werden. Für den Schäfer muss es sich lohnen die Wacholderheiden zu bewirtschaften.
Was können Sie selbst beitragen?
Der Erhalt der Kalkmagerrasen ist mit abhängig von bewußtem Verbraucherverhalten. Unterstützen Sie das Kalkmagerrasenprojekt Münsingen & Gr.Lautertal - werben Sie in Ihrem Freundeskreis für das Produkt "Alblamm". Es ist Ihr Beitrag zum Erhalt einer wertvollen Kulturlandschaft. Die BNL Tübingen vermittelt Informationsveranstaltungen zu diesem Thema für Jugendliche oder auch Erwachsene - bei Interesse auch mit Einsatz des Ökomobils - an. Führungen zu speziellen botanisch oder faunistisch interessanten Zielen können auf Nachfrage vermittelt werden. Sie wollen mehr wissen?
Rufen Sie uns an, schicken Sie ein Fax oder eine E-Mail.

Weitere Informationen
Unter der email -Adresse des Autors: rainer.ressel@hfwu.de

 
© Projektumsetzung: Ing.Büro Ressel - Stand: 09.10.2014