Ökonomische Aspekte


(349-358) TAMPE: Ökonomische Aspekte von Naturschutzmaßnahmen auf Kalkmagerrasen und magerem Wirtschaftsgrünland


Der Erhalt der Kulturlandschaft in Gebieten mit Kalkmagerrasen und magerem Wirtschaftsgrünland erfordert kostenverursachende Maßnahmen. Zum einen sind dies Erstinstandsetzungsmaßnahmen und zum anderen Pflegemaßnahmen bzw. „Pflegenutzungen“. Die Erstinstandsetzungen fallen nur einmalig bei Beginn eines Erhaltungskonzeptes an und sind immer dann erforderlich, wenn Flächen nicht die notwendigen Voraussetzungen für eine gewünschte Entwicklung bieten. Bei den Kalkmagerrasen umfassen diese Maßnahmen die Entfernung von Bäumen und Sträuchern. Bei der auf die Erstinstandsetzung folgenden nachhaltigen Behandlung der Flächen lassen sich Pflegemaßnahmen und „Pflegenutzungen“ unterscheiden. Während die ersteren keine oder nur in geringstem Umfang marktfähige Produkte erzeugen - die reine Biotoppflege mithin dominiert -, bauen die zweiten auf traditionellen und durchaus produktorientierten Nutzungsformen auf, die allerdings nach heutigen Maßstäben als sehr extensiv einzustufen sind. Im allgemeinen ist die Pflegenutzung der reinen Pflege vorzuziehen. Pflegemaßnahmen sollten nur in Ausnahmefällen oder zeitlich begrenzt durchgeführt werden. Sie umfassen die (Pflege-)Mahd mit oder ohne Entsorgung des Mähgutes, die (Pflege-)Beweidung ohne größeren Produktwert sowie das Entbuschen zur regelmäßigen Gehölzentfernung. Bei den Maßnahmen der Pflegenutzung handelt es sich einerseits um die Mahd traditioneller ein- und zweischüriger Wiesen mit Heuerzeugung und andererseits, speziell auf den Kalkmagerrasen, um die geregelte Beweidung durch Schafherden. Die Pflegemaßnahmen müssen vollständig bezahlt werden. Da unter den heutigen ökonomischen Umständen die Pflegenutzung allein durch den Produktverkauf keine Rentabilität erzielt, benötigt diese Maßnahme eine zusätzliche Abgeltung für die erbrachten ökologischen Leistungen. Die Kosten der Pflege und der Pflegenutzungen fallen überwiegend jährlich an bzw. lassen sich ohne weiteres als jährliche Zahlungen erfassen. Sollen die Gesamtkosten eines Landschaftsentwicklungskonzeptes pro Jahr angegeben werden, so müssen die einmaligen Kosten der Erstinstandsetzung in unendliche Renten und die wiederkehrenden Investitionen für Gebäude, Maschinen u.ä. in Annuitäten umgerechnet werden. Neben den leistungsbezogenen Kosten für die Landschaftsentwicklung können weitere Zahlungen erforderlich werden, wenn die Landnutzer die betroffenen Flächen nicht in der gewünschten Weise bewirtschaften, sondern bspw. unter Zuhilfenahme von Düngern und Pestiziden intensiv nutzen. Um sie zu einer naturschutzkonformen Bewirtschaftung zu veranlassen, sind Ausgleichszahlungen zur Kompensation der extensivierungsbedingten wirtschaftlichen Nachteile erforderlich. Allerdings stehen Leistungseinkommen oder zumindest Grenzfälle zwischen beiden auf der Schwäbischen Alb weit im Vordergrund. In konkreten Konfliktfällen sollte eher zum Mittel der räumlichen Verlagerung gegriffen werden, d. h. der extensivierungsunwilligen Partei andere Flächen im Tausch angeboten werden.

 

(361-388) TAMPE et HAMPICKE:
Ökonomik der Erhaltung bzw. Restitution der Kalkmagerrasen und des mageren Wirtschaftsgrünlandes durch naturschutzkonforme Nutzung

Bei der Suche nach Strategien zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Kalkmagerrasen und des mageren Wirtschaftsgrünlandes auf der Schwäbischen Alb kann an die jahrhundertealte wirtschaftliche Tätigkeit der Menschen, die diese Kulturlandschaft erst geschaffen haben, angeknüpft werden. Prägend waren hier die Schafweide und die extensive Mähwiesenwirtschaft. Beide Nutzungsformen werden einer ökonomischen Analyse unterzogen, um zu ermitteln, bis zu welchem Grade sie sich durch den Verkauf marktfähiger Produkte selbst mittel- bis langfristig erhalten können und welches zusätzliche Entgelt für die erbrachten ökologischen Leistungen zu gewähren ist. Die Schafbeweidung in Hütehaltung existiert heute in Form der Wanderschäferei und der stationären Hüteschäferei. Da die erstere aufgrund zunehmender Hindernisse (Lücken im Triebwegenetz, fehlende Winterweiden etc.) im Rückgang begriffen ist, konzentriert sich die Strategie zum Erhalt der Kalkmagerrasen auf die stationäre Hüteschäferei. Die Schwerpunkte der Hüteschäferei auf der Schwäbischen Alb liegen heute im Bereich der beiden Truppenübungsplätze im Raum Münsingen und Albstadt. Lagen keine außergewöhnlich günstigen einzelbetrieblichen Umstände vor (z. B. gute Bedingungen der Direktvermarktung), so erzielten beide Haltungsformen bei voller Kostenanrechnung trotz bestehender Förderungen ein schlechtes Ergebnis. Seit 1993 können Schäfer, die Biotope nach § 24a NatSchG (z.B. Kalkmagerrasenj beweiden, ihr Einkommen merklich verbessern. Im Rahmen des MEKA-Programmes wurden 1993 bspw. 200 DM pro Hektar gezahlt. Diese Zahlung führte jedoch noch immer zu keiner vollständigen Kostendeckung bei der stationären Hüteschafhaltung. Eine kostendeckende und langfristig lebensfähige stationäre Hüteschafhaltung erfordert neben einem winterfesten Stall ein gut abgestimmtes System der Futterbereitstellung, das neben den zu beweidenden Kalkmagerrasen ausreichend Flächen für energiereiches Sommerbeifutter, Herbstweiden sowie Wiesen für die Winterfuttergewinnung umfassen muß. Bei einer Besatzstärke von 4 Mutterschaf-Einheiten pro Hektar Kalkmagerrasen sind Hutungen, Sommerbeifutterflächen, Herbstweiden und Wiesen zur Winterfuttergewinnung etwa im Verhältnis 1: 0,08 : 0,17 : 0,44 erforderlich. Bei den Flächen zur Winterfuttergewinnung wurde der Ertrag von extensiven Mähwiesen unterstellt, die auf der Schwäbischen Alb noch im größeren Umfang existieren und die es zu erhalten gilt. Die ökonomische Analyse der stationären Hüteschäferei erbrachte, daß bei Abwesenheit einer funktionierenden Direktvermarktung die Summe aller fixen Kosten, umgelegt auf die zu beweidenden Kalkmagerrasen, den Deckungsbeitrag (ohne Zulagen und Prämien) um 1048 DM übersteigt. Die bedeutendsten Kostenelemente sind neben dem Arbeitsentgell die Stallkosten und die Kosten für die Erstinstandsetzung, wobei letztere i.d.R. nicht vom Schäfereibetrieb, sondern von der Allgemeinheit zu tragen sind. ln dieser Höhe müssen Mittel bereitgestellt werden, wenn die stationäre Hüteschäferei kostendeckend arbeiten soll. Werden alle bereits existierenden Fördermittel (tier- und flächengebundene Zahlungen, Ausgleichszulage und soziostruktureller Einkommensausgleich sowie Förderungen aus dem MEKA-Programm) voll ausgeschöpft, so verbleibt ein Kostenüberhang von etwa 400 DM pro Jahr und Hektar Kalkmagerrasen, wovon allerdings 240 DM auf die Erstinstandsetzung der Kalkmagerrasen entfallen. Eine etwas andere Lage als bei der Schäferei ergab sich bei der ökonomischen Analyse der extensiven Wiesenwirtschaft. Bei Zugrundelegung eines Stundenverdienstes von 15 DM und Anrechnung sämtlicher fixen und variablen Kosten ergab sich unter heutigen Bedingungen (1993) des Heuverkaufs eine Kostenunterdeckung von ca. 300 DM/ha und Jahr. Diese Kostenunterdeckung wird jedoch durch die bestehende Förderung bei den meisten Betrieben mit Sicherheit mehr als kompensiert, so daß, falls keine tiefgreifenden Änderungen des Datenkranzes vorliegen, keine zusätzliche Förderung notwendig ist. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist die Stabilisierung des Heumarktes, wozu die Etablierung einer wirtschaftlich tragfähigen Hüteschafhaltung mit ihrem Bedarf an Winterfutter einen deutlichen Beitrag leisten kann.

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