Neophyten und Neozoen an und in Fließgewässern


Von Angela Altmaier; Bonn, den 12.02.1999



Gliederung


I. Einleitung
Europa als ein Teil der Mittelbreiten zeichnet sich nicht gerade durch einen Reichtum an biologischer Vielfalt aus. Vier Pflanzenarten decken 50% der Ernährung und drei Tierarten 90% des Eiweißgehaltes in der Nahrung. Spricht man einerseits vom Rückgang der biologischen Vielfalt, so wächst andererseits die Vielfalt - druch Neophyten und Neozoen, sprich durch gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten. Dies nennt man Pseudodiversität. Individuen, Ausbreitung und Verbreitung sowie Auswirkungen auf Ökologie, Naturschutz, Wasserwirtschaft u.a. sollen im folgenden diskutiert werden.

II. Definition
Als Neophyten bezeichnet man Pflanzenarten, die nach der Entdeckung Amerikas (nach 1492) unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein bestimmtes Gebiet eingewandert sind oder eingeführt wurden und dort wild leben. Da sie sich auf natürlichem Wege fortpflanzen und ausbreiten können, gelten sie in unserer Pflanzenwelt als eingebürgert. Im engeren Sinne spricht man von Neozoen/Neophyten bei einer Ersteinwanderung. (DVWK 1997, Jungbluth 1996)
Neopyten gehören mit den vorher eingewanderten Archäophyten zu den Adventivpflanzen, denen die indigenen Arten gegenüberstehen (Schwabe 1991).
Es wird nach dem Grad der Einpassung in unsere indigene Vegetation eine Klassifikation der Neopyten in mehrere Typen vorgenommen zur Unterscheidung von Agriophyten und Epökophyten: Als Agriophyten bezeichnet man Neuheimische, die durch die Tätigkeit des Menschen in ein bestimmtes Gebiet gelangt sind, fester Bestandteil der heutigen natürlichen Vegetation geworden sind und auch nach Ende des menschlichen Einflusses Bestandteil der Vegetation bleiben. Demgegenüber stellen die Epökophyten Kulturabhängige dar, die nach dem Ende des menschlichen Einflusses wieder verschwinden würden. (Schwabe 1991, Kohler 1995)

Funktionelle Typen
Im Hinblick auf Einpassung in die indigene Vegetation oder deren Verdrängung kann man verschiedene Neophyten-Typen unterscheiden (Schwabe 1991):
Typ 1:
kleinflächig deckende Neophyten
Einpassung in die Ufervegetation und Bereicherung durch zusätzliches Pollen- und Nektarangebot
Keine Verdrängung oder Zurückdrängung heimischer Arten
Beispiele: Aster-Arten, Gauklerblume (Mimulus guttatus)
Typ 2:
kleinflächig deckende Neophyten
Einpassung in die Ufervegetation und Bereicherung durch zusätzliches Pollen- und Nektarangebot
Tendenz zur Eroberung des weiteren Auenbereiches und flußferner Standorte
Beispiele: Kanadische Goldrute
Typ 3:
Großflächig deckende Neophyten
Einpassung oder Verdrängung, jedoch regionale biologische Bereicherung
Beispiel: Indisches Springkraut
Typ 4:
Bereicherung der Ufervegetation, jedoch gesundheitsschädliche Wirkung für den Menschen
Beispiel: Riesen-Bärenklau
Typ 5:
Monotonisierung der Ufervegetation und negative Auswirkungen
Beispiele: Staudenknöterich, Topinambur


III.Ursachen

Die Verbreitung gebietsfremder Arten erfolgte einerseits durch deren Eigenantrieb, wurde andererseits aber auch durch den Menschen ermöglicht und stark gefördert. Dies geschah direkt oder indirekt, absichtlich oder unabsichtlich/ungewollt. Daher fand sie auch in sehr kurzem Zeitraum von wenigen Jahren oder Jahrzehnten statt. Menschliche Aktivität wurde somit zum Vehikel einer größeren Veränderung.
Seit der letzten pleistozänen Vereisung vollzieht sich in Europa nördlich der Pyreneen-Alpen-Karpaten-Gebiergsbarriere eine Prozeß der floristischen und faunistischen Veränderung. Primär bezeichnet man die in diesem Prozeß wandernden Arten als Archäophyten. Viele von der Eiszeit verdrängte Arten kehren von mediterranen Rückzugsgebieten nach Norden in die Verdrängungsgebiete zurück. Dabei wurden hauptsächlich natürliche Wasserwege genutzt, wie beispielsweise von Rhône und Doubs zu Ill und Rhein durch die Burgundische Pforte. Die Veränderung der Wasserscheide wurde von Nutzen. Als Beispiele wären zu nennen: Süßwassergarnele und Spitze Blasenschnecke. In den letzten Jahrhunderten wurde die Rückwanderung durch den Bau von Kanälen vereinfacht, z.B. über den Rhein-Rhône-Kanal in die Niederlande und nach Zentraleuropa. Menschliche Aktivitäten verschnellern diesen Prozeß. So folgten schon Pflanzen und Tiere der Ausdehnung der Landwirtschaft in der Neolithischen Revolution, gleichfalls in der Römerzeit. Mögliche Wege waren vom nördlichen Schwarzmeer nach Westen über die Flüsse Dnjepr, Pripiet, Bug, Vistula und Oder durch den Mittellandkanal nach Zentral- und Westeuropa. Beispiele dafür wären Wandermuschel, Schlickkrebs und Chaetogammarus ischnus. Durch den Ausbau von Flüssen und den Bau künstlicher Wasserstraßen erfolgte eine Zerstörung natürlicher Ausbreitungsgrenzen (z.B. Suezkanal, Pripiet-Bug-Kanal (Ost-West-Verbindung), Rhein-Marne- und Rhein-Rhône-Kanal (Verbindung Mediterraneum-Zentraleuropa), Main-Donau-Kanal).
Für die Ausbreitung aquatischer Neozoen und Neophyten lassen sich folgende Gründe anführen:

1. Anthropogen bedingte Ursachen
  • Aus- und aufstaubedingte Ursachen mit Veränderungen der hydrologischen und morphologischen Verhältnisse in den Gewässern gehören zu den wichtigsten Ursachen. Dazu zählen größere Regulierungsarbeiten an Flüssen mit den Folgen der Reduzierung der Fließgeschwindigkeit, der Akkumulation von feinkörnigem Flußbettsubstrat und der Uferbefestigung mit Bruchsteinen (Steinsatzufer). Limnophile, pelophile und lithophile Arten werden dadurch bevorzugt, rheophile, stenoxybionte und phytophile jedoch dezimiert. Ist das Gewässerbiotop erst einmal beschädigt oder zerstört und an standorttypischen Arten verarmt, finden gebietsfremde Arten gute bis sehr gute Standortbedingungen und können sich dort ausbreiten. Der Mensch schuf Ausbreitungsmöglichkeiten, indem er Lebensräume derart veränderte, daß sie Konkurrenzvorteile für Neozoen/Neophyten bieten. So werden durch den Gewässerausbau z.B. Hartsubstratbewohner bevorzugt. Wenn auch naturbelassene, naturnahe Ökosysteme nicht immun gegen Neophyten sind, so kann ihnen jedoch weniger Schaden zugefügt werden. Die anthropogene Zerstörung und Beeinträchtigung hat das Vordringen wesentlich erleichtert, z.B. offene Böden, anthropogen einmalig oder mehrmals gestörte Stellen wie Bahnhofsbereiche, Bahnstrecken, Häfen, Industriebrachen, Baugebiete, Erddeponien, Straßenböschungen, durch wasserbauliche Maßnahmen veränderte Gewässerufer und degenerierte Flußauenreste, Brachfallen von intensiv landwirtschaftlichen Flächen, Fehlen neophytenspezialisierter phytophager Organismen. Die Nutzung der Gewässer als Brauch-, Kühl- und Trinkwasser, als Energielieferant sowie zu Freizeit- und Erholungszwecken zieht einen Rückgang der Artenvielfalt nach sich. Wurde somit einigen stenöken Arten die Lebensgrundlage entzogen, so werden die freiwerdenden ökologischen Nischen durch euryöko Arten ersetzt, darunter viele Neozoen.
    Das regelmäßige "Auf-den-Stock-setzen" von Wäldchen fördert die Neophytenentwicklung, da Neophyten durch ihre Schnellwüchsigkeit ihre optimalen Bedingungen auf Pionierstandorten finden. In naturnah bewirtschafteten Auen- und Galeriewäldern erliegen Neophyten jedoch der Beschattung und der Staunässe von Überschwemmungen.
    Die Entwicklung des Rheins beispielsweise hängt daher sowohl von der Entwicklung des Rheins als auch vom Lebensraumangebot der Ufer- und Auenbereiche ab.
    (Schwabe 1991, DVWK 1997, Tittizer 1996, Schiller 1996, Böcker 1995)


  • Als eine Möglichkeit der Ausbreitung gilt der Import und das direkte Aussetzen durch den Menschen. Die Einschleppung kann über Aquarien, Gartenpflanzen und Haustiere geschehen. Dabei gelangen oft unbewußt Tiere und Pflanzen ins Wasser (z.B. Ablauf Gartenteich). Jedoch können sie auch bewußt ausgesetzt werden, wie beispielsweise in Ferienzeiten, für wissenschaftliche Arbeiten oder zum Auffüllen von Faunendefiziten nach Krankheit, Aufsalzung oder Verschmutzung. Besonders das Zeitalter der Entdeckung (16.Jh.), der Kolonialismus und das 19./20. Jahrhundert infolge der Industriellen Revolution erwiesen sich dafür prägend. Tiere für den menschlichen Gebrauch wie Fisch und Fischfutter (Getigerter Flohkrebs) gehören hier genauso dazu wie Importe für Aquarien (Spitze Blasenschnecke), Botanische und Zoologische Gärten. Erstere stammen meist aus der Arktischen Region Amerikas und Asiens, letztere eher aus Südosteuropa.


  • Eine mindestens genauso wichtige Rolle für die Ausbreitung nichtheimischer Arten spielen die vom Menschen geschaffenen länderübergreifenden Transportwege und -möglichkeiten. Für die Einschleppung aus Übersee können Umschlagplätze wie Häfen oder Bahnhöfe als Trittsteine fungieren. Nichtheimische Arten werden so in Mündungsgebiete und brackige Küstengewässer eingebracht, beispielsweise die Wollhandkrabbe. Diese wandern schließlich landeinwärts in inländische Gewässer, wie z.B. der Getigerte Flohkrebs. Schiffahrtskanäle verbinden Fließgewässersysteme, beseitigen die natürlichen Ausbreitungshindernisse und können daher zu einem Artenaustausch entfernt liegender Lebensräume führen. Besonders bei Arten, die sich durch die Schleppkraft des Wassers oder aquatische Biovektoren transportieren lassen, trifft dies zu, wie z.B. beim Keulenpolyp, Getigerten Flohkrebs und Schlickkrebs. Der Schiffsverkehr selbst verschnellert die Ausbreitung zusätzlich. Durch Anheften am Schiffskörper oder durch Ballastwasser-Transport wird eine Verschleppung möglich, auch zwischen Kontinenten, wie z.B. bei Keulenpolyp, Wollhandkrabbe und Schlickkrebs. Wasserbewohnende Neozoen befinden sich daher hauptsächlich in schiffbaren Gewässern. Der Rhein als internationales Gewässer stellt eine solche Verbindungsachse dar, wodurch auch hier besonders viele eingewanderte Arten zu finden sind. Als Larven, Keimlinge oder Samen von Zierpflanzen, Gemüse und Obst gelangen nichtheimische Arten ebenfalls in neue Gebiete (z.B. Nacktschnecken).

    Verschmutzung, Erwärmung, Aufsalzung Verschmutzung der Gewässer durch organische, anorganische und toxische Substanzen, Erwärmung durch Kühl- und Abwässer industrieller und häuslicher Herkunft sowie Aufsalzung durch Einleitung von Kaliabwässern reduzieren stenöke Arten. Euryöke Arten mit verschmutzungstoleranten, thermo- und halophilen Eigenschaften werden demhingegen bevorzugt, wie beispielsweise Keulenpolyp, Gefleckter Strudelwurm, Süßwassergarnele, Getigerter Flohkrebs und Wollhandkrabbe.


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2. Eigenschaften der Tiere und Pflanzen
Nicht jedem Neophyt gelingt immer die Etablierung in der heimischen Pflanzengesellschaft. Dies hängt u.a. von den spezifischen Eigenschaften der Arten sowie der zu besiedelnden Ökosysteme ab. Dabei erhalten diese Faktoren je nach Pflanzenart eine unterschiedliche Gewichtung. Folgende Eigenschaften der Tiere und Pflanzen sind ausschlaggebend:

  • Toleranz der Umweltqualität wie z.B. euryöko, euryhaline oder eurytherme Arten sowie bzgl. Sauerstoffverfügbarkeit und Verschmutzung: Daher können sie sich besonders gut in Gewässern mit instabilen Umweltbedingungen ausbreiten, vor allem wenn die einheimischen (autochtonen) Arten geschwächt sind. So konnten sich beispielsweise Schlickkrebs und Getigerter Flohkrebs nach einem Chemikalienunfall 1986 im Oberrhein ausdehnen. In intakten Biozönosen, wie die kleineren Flüsse in Deutschland, wäre dies nicht möglich.


  • Präferenz für eine bestimmte Umweltqualität wie z.B. nitrophil, thermophil, halophile, lithophile, pelophile Arten: Daraus ergibt sich eine starke Konkurrenz bezüglich Substrat und Nährstoffe. Es handelt sich meist um nasse Standorte der Ufer- und Saumgesellschaften oder frische und feuchte Standorte von Verlichtungsgesellschaften.


  • Hohe Mobilität (Wanderung im Wasser und an Land): Die meisten neozoischen Invertebraten besitzen eine kleine Körperform und können so beispielsweise von Vögeln transportiert werden (das Makrozoobenthos z.B. mit Wasservögeln).


  • Besondere Fortpflanzungsmechanismen wie z.B. freilebende Larvenstadien, lebendgebärende, zwittrige, parthenogenetische Arten, kurze Entwicklungszeit, mehrere Generationen jährlich, hohe Geburtenrate (r-Strategien), später Blühtermin (August/September): Die r-Strategie ermöglicht eine schnelle und erfolgreiche Besiedlung (z.B. Getigerter Flohkrebs und Schlickkrebs). Beachtenswert ist daher auch die hohe Biomasseproduktion (Körbchenmuschel, Schlickkrebs). Durch die größtenteils asexuelle Vermehrung mittels Körperfragmenten wird die Schnelligkeit der Reproduktion und die Bildung großer Herde erhöht (Polyp der Meduse, Larve der Körbchenmuschel oder Wandermuschel, Wurzelstücke). Der späte Blühtermin bewirkt spezielle Bestäuberarten (Hummeln, Bienen).


  • Ernährungsweisen: Da sie sich als Filtrierer ernähren, finden sie in unseren eutrophen Gewässern besonders viele Nährstoffe. Dadurch erhalten sie einen erheblichen Konkurrenzvorteil gegenüber einheimischen Art. Dies führt zu einer Besetzung von noch freien ökologischen Nischen oder zur Verdrängung oder Eliminierung von Arten.
    (Kinzelbach 1995, Schiller 1996, Tittizer 1996, DVWK 1997, Schwabe 1991, Böcker 1995)


    3. Naturereignisse
    Naturereignisse wie Vereisung, Klimaänderung, Erdrutsch, Vulkaneruption, Orogenese, Hoch- und Niedrigwasser können Änderungen von Lebensräumen und -gemeinschaften bewirken. Nicht mehr angepaßte Arten werden durch neue ersetzt, können aber nach Wiederherstellung ursprünglicher Lebensbedingungen rückwandern. Eine neue Problematik könnte sich durch die Erwärmung des Klimas ergeben.
    Die Herkunftsgebiete erstrecken sich vom Mittelmeerraum über den Schwarzmeerraum bis nach Ostasien und Nordamerika. Die in den Bundeswasserstraßen nachgewiesenen Neozoen stammen von der Ostküste Nordamerikas, Neuseeland, Süd-/Ostasien, Südosteuropa, Schwarzem und Kaspischem Meer sowie vom Mittelmeerraum.
    (Schiller 1996, Kinzelbach 1995, Tittizer 1996, Jungbluth 1996, DVWK 1997, Schwabe 1991)


    IV. Beispiele
    1. Neophyten
    Bis heute gelten 267 neopytische Arten in Deutschland als eingebürgert, 10 Arten davon mit sehr starker Ausbreitung, teilweise in Reinbeständen (DVWK 1997).

    Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera) - Himalaja
    Vom Himalaja gelangte es über Botanische Gärten in England nach Europa. In seiner Heimat wird es zum Färben von Haut und Nägeln, zur Speise- und Brennölherstellung und für die Heilkunde genutzt. Das verwandte Kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora) wurde über Ostsibirien und die Mongolei nach Europa eingeschleppt. In Deutschland selbst wurde das Indische Springkraut in Kies-, Erd- und Kompostmaterial mit Hilfe der Fließgewässer verbreitet. Teilweise wird es als Bienenweide angesät; eine Honiggewinnung ist wegen des späten Blühtermins jedoch kaum noch möglich. Es bevorzugt Standorte mit feuchten bis nassen, nährstoffreichen (stickstoffreiche), humosen, sandigen bis lehmigen Böden, hoher Luftfeuchtigkeit (Feuchte- bzw. Nässeanzeiger), Halbschatten, gemäßigten Temperaturen, geringem Relief sowie Gehölzfreiheit. Es gedeiht aber auch auf armen bis mittelmäßigen Böden. So kommt es im unmittelbaren Uferbereich und im Übergangsbereich von Weich- zu Hartholzaue vor. Es besitzt ein üppiges Höhenwachstum sowie purpurrote Blüten und Nektarreichtum, welche Honig- und Wildbienen sowie Hummeln und Schwebfliegen anlocken. Ein Schleudermechanismus sichert die Nahverbreitung der Samen. In Gewässern können die Samen infolge schnellen Absinkens mit dem Geschiebe transportiert und bei Hochwasser durch den Freiwasserkörper an neuen Stellen angelandet werden. Dies sowie eine sechsjährige Keimfähigkeit der Samen sichert eine schnelle und effektive Ausbreitung. Als einjährige Pflanze behindert die hohe Streuauflage das Wachstum heimischer Arten. Gleiches bewirkt das Höhenwachstum. Das Indische Springkraut siedelt auf freien Flächen z.B. infolge von Mäharbeiten und Räumungen. Bei Massenauftreten führt es zur Pflanzenartenverarmung sowie zum Verschwinden von Blütenbestäubern. Die Ansiedlung ist differenziert zu betrachten: Vorteilhaft kann es als zusätzliche Nektarquelle dienen. Auf heimische Arten spezialisierten Tieren kann es jedoch keine Nahrungsquelle sein und daher bei Massenentwicklungen zu nachteiligen Effekten führen. Dies gilt ebenfalls für Geomorphologie und Wasserwirtschaft. Diesen bereitet der Wechsel von üppigem Wachstum im Frühjahr und Sommer (Eliminierung des heimischen Uferbestandes) und ungeschütztem Ufer im Herbst und Winter (Erosion) Probleme. Aufgrund der Vor- und Nachteile müssen Bekämpfungsmaßnahmen im Einzelfall entschieden werden. Der Zeit-, Arbeits- und Kostenaufwand muß dabei im Verhältnis zum Nutzen stehen. Bei Massenaufkommen, in Naturschutzgebieten und bei Bestandsgefährdungen geschützter Arten kann ein Eingreifen nötig werden. Dies ist dann vornehmlich Aufgabe der Landespflege, nicht der Gewässerunterhaltung. Maßnahmen sollten zu Blütebeginn und vom Gewässeroberlauf beginnend vollzogen werden. Dabei muß mit Mähen und Mulchen gearbeitet und für ein Abräumen des Mähgutes gesorgt werden, so daß sich ein Gehölzbestand entwickeln kann. Ist es erst soweit gekommen, wird auch die Konkurrenzfähigkeit des Springkrautes eingeschränkt. (DVWK 1997)

    Herkulesstaude/Riesenbärenklau (Herculeum mantegazzianum) - Kaukasus
    Ende des 19. Jahrhunderts wanderte er vom Kaukasus nach Europa ein, teilweise über Botanische Gärten. Er charakterisiert sich durch sein Höhenwachstum, Vorkommen an gestörten Standorten (Anzeiger) sowie seine phototoxische Wirkung. Allerdings besitzt er keinen späten Blühtermin und damit geringere Bedeutung als Bienenweide. Bevorzugt bezieht er Lagen mit nassen, tiefgründigen Böden, Sonne bis Halbschatten, Brennesselfluren, wintermildes Klima, gut gedüngte Mähwiesen sowie intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen. Als Universalist gilt er als sehr anpassungsfähig, der sein Ausbreitungspotential in Mitteleuropa noch nicht erreicht hat. Durch seine hohe Produktion, Schwimmfähigkeit und Keimfähigkeit (sieben Jahre) der Samen erreicht er eine schnelle und weiträumige Verbreitung. Der Ausbreitung wurde verholfen durch aktive Maßnahmen der Imker als auch passiv durch Gartenabfälle und Bauschutt. An Ufern können Massenbestände zu Überwucherung und Verdrängen heimischer Vegetation (besonders von Gehölzen) führen. Bei massenhaftem Auftreten wird eine Bekämpfung nötig, auch aus gesundheitlicher Sicht. Dazu sollten nach mehrmaliger Mahd, Fräsung und Resteverbrennung schnell keimende und dicht aufwachsende heimische Arten (auch Gehölze wie die Schwarzerle) gepflanzt werden, zur Herstellung einer dichten Pflanzendecke, verstärkter Konkurrenz und verringerter Erosion. (DVWK 1997)

    Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica) - Ostasien
    Von Ostasien (Japan, Korea, China) wurde er 1825 als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht. Er zeichnet sich durch große Konkurrenzstärke, Gedeihen auf vielfältigen Habitaten mit meist nassen, grundwassernahen, zeitweise überfluteten, nährstoffreichen Kies- und Schotterböden in allen Höhenlagen aus. Besonders von Pferden und Kühen wird er gerne gefressen. Er bevorzugt weiterhin Halbschatten, ozeanisches Klima (kein extremes Klima) sowie höher gelegene Uferabschnitte. Sein starkes Ausbreitungsvermögen wird durch die ungeschlechtliche Vermehrung erreicht (über die Wurzelsprossen können Standortnachteile ausgeglichen werden): Wurzelstücke werden mit Gartenabfällen, Erdmassen oder Hochwasser verdriftet. Tieferliegende Wurzelteile sorgen durch Neuaustrieb für schnelle Regeneration. Auch hier führt ein Massenaufkommen in Reinbeständen zur Beschattung und Verdrängung typischer Stauden-, Strauch- und Gehölzgesellschaften. Für Regulierungsmaßnahmen gibt es kein Patentrezept. Am sinnvollsten sind wohl vorbeugende Maßnahmen. Ansonsten können Sieb- und Kompostierarbeiten kostenintensiv sein, eine Beweidung das Wachstum heimischer Arten ebenfalls behindern, und eine mehrmalige Mahd eine geschlossene Grasnarbe wider des Ziels ökologischer Gewässerunterhaltung entstehen lassen. Daher sollten präventiv konkurrenzfähige Pflanzengesellschaften und Uferstrteifen typischer Strauch- und Gehölzvegetation gefördert werden (z.B. Schwarzerle, Schilf, Sumpfsegge). (DVWK 1997, Umweltministerium BW 1994/1995)

    Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) - Nordamerika
    Sie wurde im 17./18. Jahrhundert nach Europa als Zierpflanze eingeschleppt. Meist siedelt sie in Ödlandschaften (Hochgrasprärie Nordamerikas) wie z.B. landwirtschaftlichen Brachflächen, extensives Weideland, lichte und Ruderalstandorte. Als Bienenweide wurde auch sie vermehrt ausgesät, dient Bienen aber nur nach Absterben der heimischen Vegetation als Nahrungsersatz. Sie kann als Naturheilmittel (Niere, Blase, Husten, Durchfall), Wundheilmittel und zur Kautschukherstellung verwandt werden. Licht- und wärmeliebend siedelt sie in Tieflagen, an feuchten und trockenen Standorten, auf mäßigen bis nährstoffreichen Böden. Ebenfalls sorgen geschlechtliche als auch ungeschlechtliche Vermehrung (unterirdische Ausläufer) für starke Ausbreitungs- und Regenerationsfähigkeit. Da sie als fester Bestandteil zur heutigen Flora gehört ist eine Bekämpfung nur in einzelnen Fällen bei Reinbeständen nötig. Sie setzt sich auf nährstoffarmen Böden gegen die Brennessel durch und andersherum. Ein Zurückdrängen kann durch Mulchen vor Blühbeginn erfolgen. Die breiteste standörtliche Amplitude haben Knöterich- und Goldrute-Arten. (DVWK 1997)

    Topinambur (Helianthus tuberosus) - Mexiko
    Er wurde von den Indianern als Kulturpflanze angebaut, ist heute im zentralen und östlichen Nordamerika weit verbreitet und wurde in Frankreich und Deutschland im 17. Jahrhundert als Süßkartoffel angebaut, jedoch später von der gemeinen Kartoffel größtenteils verdrängt (heute noch für Diabetikerkost, Alkoholherstellung und Wildfutter). Über Gartenabfälle, durch Jäger, durch Hochwasser und durch Ausgraben von Kleinsäugern gelang die Verbreitung der Knollen. Als Frische-, Feuchte- und Wärmeanzeiger besitzt er hohe Wasser- und Lichtansprüche, kommt in Tieflagen auf nahrhaften Böden oder freigelegten Randstreifen eutrophierter Bäche vor. Höhenwachstum und vegetative Vermehrung mittels Knollen ermöglichen Nah- und Fernverbreitung. Insgesamt stellt der Topinambur keine Gefahr für die heimische Artengesellschaft dar, dient vielmehr der Bereicherung der Artenvielfalt, als Vogelbrutgebiete und Ersatzlebensraum. Problematisch werden Reinbestände, bei denen im Einzelfall Maßnahmen anzuwenden sind (Mahd, Mulchen, Fräsen vor neuer Knollenentwicklung). Zur Vermeidung von nachfolgenden Brennesselbeständen müssen standorttypische Baum- und Weidenarten gepflanzt werden, die eine längerfristige natürliche Sukzession möglich machen. (DVWK 1997)

    Nordamerikanische Wasserpest (Elodea canadensis) und Elodea nuttallii
    In süddeutschen Fließgewässern (Erdinger Moos, Augsburger Gebiet, Ostalb, Oberpfälzer Wald) sind hauptsächlich diese beiden neophytischen Arten zu finden. Dazu gesellen sich bisweilen Lemna minuscula und Azolla filiculoides. Sie treten dort in hydrogencarbonatreichen, grundwasserbeeinflußten Niedermoorfließgewässern und Karstfließgewässern auf. Betreffend Nährstoffgehalt besitzen sie ein breites Spektrum der Trophieverhältnisse, besonders bezüglich Ammonium- und Orthophosphatgehalt, und bevorzugen damit eindeutig eutrophierte Gewässer (Störungs- und Eutrophierungsindikatoren). Somit sind sie gegen Belastungen aus Abwässer etc. unempfindlich. In oligotrophen Grundwasserbächen und quellnahen Bereichen fehlen sie völlig. Bei Verringerung der Eutrophierung ist eine Abnahme zu verzeichnen, weshalb diese Neophyten nicht als Agriophyten eingestuft werden können. (Kohler 1995)


    2. Neozoen
    Wandermuschel, Dreiecksmuschel (Dreissena polymorpha) - Schwarzmeerraum
    Sie wurde durch die Eiszeiten gegen Süden verdrängt und wanderte im 19./20. Jahrhundert wieder über die Schiffahrtskanäle aus dem Schwarzmeerraum nach Deutschland ein. 1976 wurde sie erstmals im Rhein gefunden. Ihren Transport ermöglicht sie durch Anheftung an Hartsubstrate. Als typischer Filtrierer profitiert sie vom Nährstoffangebot eutropher Gewässer (organische Schwebstoffteilchen). Da sie über die Vermehrung freibeweglicher Larven hohe Individuendichten erlangt, trägt sie zusammen mit dem Filtriermechanismus zur Selbstreinigung der Gewässer bei. Als hochwertige Eiweißquelle dient sie Enten als Nahrung. Manchmal kann sie auch in Seen und Talsperren vorkommen und zum Problem von Wasserwerken werden (Verstopfung der Wasserentnahmerohre). Nach einer Vermehrung während der 80er Jahre im Rhein ist sie heute hier im Rückgang begriffen. Zu den Ursachen dafür gehören der neozoische Schlickkrebs und die Unbeweglichkeit bei Niedrigwasser (Absterben beim Trockenfallen durch Haft). (Schwabe 1991, Reichholf 1996)

    Körbchenmuschel feingestreift bzw.grobgestreift (Corbicula fluminea bzw C. fluminalis) - Ostasien
    Von Ostasien wurde sie zunächst nach Nordamerika eingeschleppt und von dort aus per Ballastwasser nach Europa. 1991 wies man sie erstmals im Rhein nach. Dort hat sie sich innerhalb weniger Jahre erfolgreich etabliert und seither stark vermehrt. Mit ihrer hohen Biomasse und Individuenzahl erreicht sie eine große Bedeutung für die Lebensgemeinschaft am Flußgrund. Durch Ballastwasser und Kanalsystemausbau erfuhr sie ihre Verbreitung. Der erwärmte, salzbelastete und morphologisch veränderte Rhein stellt gute Lebensbedingungen für sie dar. Bestimmte Eigenschaften in Lebenszyklus, Populationsökologie und Autökologie ermöglichen die schnelle und erfolgreiche Besiedlung neuer Lebensräume. Dabei stellen Substratstabilität, -beschaffenheit, Geschiebetrieb sowie Strömung die wichtigsten Besiedlungsfaktoren dar: Der Geschiebetrieb in der Fahrrinne erhöht die Substratinstabilität und spielt somit den wirksamsten Faktor. Zunehmende Korngröße in der Flußmitte erhöht die Strömung. Daher werden hohe Besiedlungsdichten auf stabilen, schluffhaltigen bis sandigen Substraten im Uferbereich mit geringen Substratumlagerungen erzielt. Weiterhin wirken sich Hochwasserereignisse, Wassertemperaturen sowie Nahrungsverfügbarkeit auf die Besiedlung aus. Mittlere Temperaturen und gute Nahrungsverfügbarkeit sind hierbei entscheidend. So kommt es auch im Sommerhalbjahr trotz starken Wachstums zu rückläufigen Populationsentwicklungen. (Schwabe 1991, Meister 1997)

    Getigerter Flohkrebs (Gammarus tigrinus) - Nordamerika
    Von der Ostküste Amerikas wurde er mittels Schiffen nach Europa verschleppt. Zusätzlich setzte man ihn 1957 in der stark versalzenen Werra aus, damit er durch seine Salzverträglichkeit eine einheimische Arten ersetze. Von dort aus wanderte er in die Weser und wurde 1982 erstmals im Rhein nachgewiesen. Seine rasche Ausbreitung wurde neben der Salztoleranz durch die hohe Mobilität (aktive Wanderung) und den Kanalbau ermöglicht. Die Bestände entwickeln sich seither jedoch rückgängig. Er stellt eine wichtige Fischnahrung dar.

    Schlickkrebs (Corophium curvispinum) - Schwarzmeer (Pontocaspis)
    Vom Schwarzmeergebiet hat sich der Schlickkrebs über die Wolga, den Dnjepr, die Donau und weitere Schiffahrtskanäle bis in den Rhein ausgebreitet. Seine Verbreitung wurde durch Schiffahrt, Kanalbau und seine hohe Mobilität (aktive Wanderung) ermöglicht. Eine starke Vermehrung konnte hier aufgrund von günstigen Ernährungsbedingungen und fehlender Konkurrenz stattfinden. Der Konkurrenzvorteil ergibt sich durch die zylindrischen Wohnröhren, die der Schlickkrebs auf festen Untergrund (Muscheln Steine, Holz) baut. Salztolerant und strömungsabweisend besiedelt er auch Brackwasserbereiche. Als aktiver Filtrierer von Detritus und Plankton gehört er zu den wichtigsten Fischnährtieren. Eine explosionsartige Vermehrung nahm schließlich wieder ab und pendelte sich auf einem Niveau ein.

    Flohkrebs-Art Chaetogammarus ischnus und Dikerogammarus villosus - Schwarzmeergebiet (Pontocaspis)
    Über die Donau und den Rhein-Main-Kanal sind sie in den Rhein gekommen und bilden hier dominierende Flohkrebsarten. Chaetogammarus ischnus verdankt seine Verbreitung der aktiven Wandertätigkeit, begünstigt durch den Kanalbau, und der Schiffahrt. Als eurytherme, salztolerante Art kommt er in den Ufer- und Sohlebereichen als Detritusfresser vor.

    Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) - Ostasien
    Aus Ostasien (China) wurde sie mittels Schiffen nach Europa gebraucht und über die Elbe in den Rhein eingeschleppt. Sie kommt heute in allen in die Nord- und Ostsee mündenden Flüssen sowie in ganz Mittel- und Nordeuropa vor. Durch ihre große Beweglichkeit (Junge flußaufwärts, Adulte flußabwärts) als auch ihre eurythermen und salztoleranten Eigenschaften ermöglichte sie sich eine schnelle Ausbreitung. Als Omnivor stellt sie einen ernsthaften Nahrungskonkurrenten für Fische dar, als Gängebauer einen Schädling für Uferböschungen.

    Amerikanischer Flußkrebs (Orconectes limosus) - Nordamerika
    Er wurde wegen seiner Krebspest-Immunität 1890 in Europa ausgesetzt. Durch aktive Wanderung als auch durch Aussetzen in Fischgewässern erreichte er ganz Europa. Er bevorzugt sauerstoffhaltige Gewässer.

    Süßwassergarnele (Atyaephyra desmaresti) - Mittelmeer
    Durch aktive Wanderung gelangte sie mit Hilfe des Kanalbaus im 19. Jahrhundert nach Mitteleuropa und ist seither im mittel- und südeuropäischen Raum verbreitet. Als phytophile, eurytherme und euryhaline Art lebt sie in pflanzenreichen Gewässern von Detritus und Plankton.

    Spitze Blasenschnecke (Physella acuta) und Neuseeländische Turmdeckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum) - Mittelmeer bzw. Australische Region
    Beide sind gegen Verschmutzung relativ unempfindlich.

    Keulenpolyp (Cordylophora caspia) - Gebiet des Kaspischen und Schwarzen Meeres

Aufgrund seiner Salztoleranz kommt er auch im Brackwasser vor, besiedelt hartes Substrat und lebt räuberisch. Er stammt aus Mündungsgebieten im Brackwasserbereich europäischer großer Flüsse. Zu den Ausbreitungsgründen gehören Schiffahrt und Kanalbau. Er ist heute im Einzugsgebiet der großen deutschen Flüsse verbreitet.

Gefleckter Strudelwurm (Dugesina tigrina) - Nordamerika
Er stellt durch seine euryöken Eigenschaften keine hohen Ansptüche an die Wasserqualität, lebt räuberisch auf hartem Substrat und Wasserpflanzen. Durch Aquarianer wurde er nach Europa eingeschleppt und gehört heute zu den weit verbreiteten Neozoen mit jedoch geringer Populationsdichte.

Kiemenwurm (Branchiura sowerbyi) - Südostasien
Er wurde durch Schiffe über Hamburg, London oder über das französische Kanalnetz nach Europa eingeschleppt und hat sich seither über ganz Mitteleuropa verbreitet. Temperaturtolerant lebt er im Grenzbereich Land-Wasser als Detritusfresser.

(Schiller 1996, Tittizer 1996, Bernauer 1996, Schwabe 1991)

Vögel
Neozoische Brutvögel in Europa können europäischer oder außereuropäischer Herkunft sein. Mannigfaltige Anlässe können hierfür genannt werden. Neben der absichtlichen und unabsichtlichen Einschleppung, stellen auch Gefangenschaftsflüchtlinge aus Parks oder Tiergärten sowie die Verletzung im Überwinterungs- und Wanderungsgebiet Gründe dar. So wurden Vögel beispielsweise zur Jagd (Fasan), Zierde (z.B. Höckerschwan, Nilgans) oder wissenschaftlichen Experimenten (z.B. Kanadagans in Skandinavien) ausgesetzt. Aufgrund der ökologischen Diversität der Westpaläarktis gelang es noch keinem Neozoen, ganz Europa zu besiedeln. Reinen Zugvögeln ist eine stabile, von weiteren menschlichen Eingriffen unabhängige Einbürgerung kaum möglich. Der Einbürgerungserfolg war bei Entenvögeln am größten (Verbreitungsgebiete, Individuenstärke) mit Zunahmetendenz. Gründe dafür sind: Konzentration in Schwärmen, Wanderungen als Ausgleich lokal ungünstiger Bedingungen, breites Nahrungsspektrum (Eutrophierung, Grünländer), geringe Scheu (siedlungsnah). Die Kanadagans (Branta canadensis) aus Nordamerika besiedelt das größte Areal eines Neozoen in Europa. Ein Niveau der Stagnation ist noch nicht erreicht. Gefahren könnten bezüglich direkter Aggression, Ressourcen-Konkurrenz, Verbrauch von Ressourcen/Vernichtung von Habitaten und Hybridisation gesehen werden. Ob diese eintreten, ist fraglich und hängt von Fütterung oder Hege ab. Daher muß das Auftreten kritisch verfolgt werden. (Bezzel 1996)

Fische
Als Neozoe wurde beispielsweise der Karpfen (Graskarpfen) und die Bachforelle als Speisefisch eingebürgert. Der Karpfen zeigt dabei mehr ungewüschte Auswirkungen (Starke Gewässertrübung durch Wühlen verändert den Lebensraum für heimische Arten). Zu erwähnen ist auch der Lachsbesatz im Rhein. Generell fand die Einführung von Fischen aus Gründen der Produktionserhöhung (Graskarpfen), der Verschmutzung (Zander), des Naturschutzes (Giebel), unbedachter Gefangenschaftsfreilassung aus Aquarien (Urlaubszeit)(Stör, Wels), der Angel- und Berufsfischerei sowie der Einbürgerung verschollener Arten (Lachs). Bei der folgenden Ausbreitung spielen die Kanalsysteme eine entscheidende Rolle (z.B. Rhein-Main-Donau). (Lelek 1996)

Außerhalb Deutschlands
In Amerika, Asien und Afrika finden ebenfalls Einwanderungen gebietsfremder Arten statt (z.B. Baikalsee, unterer Nil, Große Seen). (Kinzelbach 1995)


V. Maßnahmen

Maßnahmen sind im Einzelfall zu prüfen. Topinambur und Goldrute gehören beispielsweise nicht zu den gravierend schädlichen Neophyten. Die Entwicklung muß jedoch beobachtet werden, um ein Massenaufkommen frühzeitig zu verhindern, da sich nach Dominanzbeständen von Neophyten die Herstellung naturnaher Zustände meist sehr aufwendig, kosten- und zeitintensiv erweist. Zu den Reinbeständebildnern gehören z.B. Knöterich, Springkraut und Riesenbärenklau. Hierbei ist ein Zurückdrängen nur durch finanz- und personalstarke sowie langfristige Maßnahmen möglich. Ziel muß die Rückkehr oder präventive Anlage eines naturnahen Gewässerrandstreifens sein, der allein die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Neophyten stoppen kann. Ein solcher kann aus natürlichen, standorttypischen Gehölzen bestehen. Gute Vitalität zeigen dabei z.B. Schwarzerle und Korbweide. Alternativen dazu wären Faschinen, Salix-Stecklinge, hölzerne Krainerwände oder Rauhbäume. Zur langfristigen Sicherung sollte ein Galeriewaldstreifen angepflanzt werden, der naturnah durch Entnahme von Einzelstämmen bewirtschaftet wird ohne vollständiges "Auf-den-Stock-setzen". Keinesfalls darf Heu eingestreut oder Bauschutt deponiert werden, da dies zur Ruderalisierung und somit zum bevorzugten Eindringen von Neophyten führt. Teilweise ist nur das Bewahren angrenzender Gebiete vor dem Befall durch naturnahe Erhaltung möglich. Nicht das Bekämpfen sondern das Beheben der Ursache führt zum Erfolg. Gedult und Zeit sind die Schlüssel zur Umkehr anthropogen beeinflußter Standorte. Bei keiner Maßnahme können kurzfristige Erfolge erwartet werden, vielmehr sind mehrjärige Pflegeeinsätze und Beobachtungen von Nöten. Sie müssen folgende Punkte berücksichtigen: Prävention durch Etablierung und nachhaltige Förderung naturnaher oder natürlicher Pflanzenbestände (auch Nutzung ist Prävention!), Überprüfung von Notwendigkeit und Effizienz, naturverträgliche Methoden, sorgfältige Arbeit sowie Nachsorge. Zusätzlich muß die aktive Aussaat von Goldrute, Indischem Springkraut und Riesenbärenklau durch Imker eingeschränkt werden. Dazu darf die Aussaat auch in Bienenkatalogen nicht mehr empfohlen werden. Oft bringt eine Kombination mehrerer Maßnahmen wie angepaßte Mahd, Beweidung, Maschineneinsatz und Handarbeit mehr als eine monokausale Behandlung.
Generell sollten nur Neophyten mit belegbaren ökologischen Nachteilen zurückgedrängt werden durch punktuelle Mahd (betr. Japanknöterich). Im Einzelfall ist der Bedarf der Kontrolle nachzuweisen: Naturschutz (Gefährdung spezieller Arten), Wasserwirtschaft (Probleme der Unterhaltung) oder Standorte, an denen Neophyten niemanden beeinträchtigen. Daraus folgt die differenzierte Betrachtung.
Durch Maßnahmen gegen Neophyten können auch einheimische Arten dezimiert werden, beispielsweise die gegen Mahd empfindlichen. Hierbei ist abzuwägen, wobei ein größerer Verlust stattfindet, bei der Mahd oder der versuchten Koexistenz/Konkurrenz.
Bekämpfung und Maßnahmen liegen meist nicht in der Verantwortlichkeit der Gewässerpflege und Gewässerunterhaltung (Wasserwirtschaft), sondern in der Landespflege, besonders bei terrestrischen Tier- und Pflanzenarten. Jedoch muß der Gewässerunterhaltungspflichtige die Gewässerufer auf Neophytenaufkommen und dessen Schädlichkeit prüfen und in enger Abstimmung mit der Landespflegebehörde gegebenenfalls Maßnahmen planen und durchführen. Maßnahmen, die Uferbewuchs, -stabilität und -entwicklung, hydraulische Eigenschaften sowie Stoffeintrag betreffen, müssen unter Aufsicht der Wasserbehörde stattfinden.
Neubau, Ausbau, Unterhaltung und Verwaltung der Bundeswasserstraßen obliegt der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes.
(Tittizer 1996, DVWK 1997, Tittizer 1996, Schwabe 1991, Böcker 1995)


VI. Diskussion - Positive und negative Effekte
1. Negative Effekte
  • Es besteht eine Korrelation zwischen dem Rückgang der Artenzahl in der Krautschicht und der Zunahme der Deckung mit Neophyten. Massenauftreten kann zum völligen Verschwinden einheimischer Arten führen. (Böcker 1995)
  • Neozoen gelten als nachteilig, da sie die Fauna verfälschen, heimische Arten verdrängen, ökologische und wirtschaftliche Schäden anrichten, Jagd und Sport beeinträchtigen.
  • Durch die Staudenknöterich-Arten wird die Arten- und Gesellschaftsdiversität herabgesetzt. Damit einhergehend verschwinden Bestäubertierarten. Es können sich negative Wirkungen von Neophyten auf die Tierwelt ergeben, wenn ursprünglich einheimische Pflanzenarten stärker als Nahrungsgrundlage genutzt werden als gebietsfremde, und die Anpassung der Tierarten in Jahrtausenden erfolgte. (Böcker 1996, Schwabe 1991)
  • Fremden, euryöken Arten wird durch fehlende Konkurrenz (bezüglich Nahrung, Platz) und fehlende Feinde (Feinddruck) eine schnelle Ausbreitung ermöglicht. Dadurch besteht eine hohe Wettbewerbsfähigkeit gegenüber einheimischen Arten. Eine komplette Auslöschung einheimischer Tiere ist jedoch verhältnismäßig selten, meist nur auf Inseln.

  • Die Einwanderung einer fremden Art zieht oft ganze Organismuskomplexe nach sich (z.B. Wandermuschel, Fisch, Trematode)

  • Eine Gefahr besteht in der Einschleppung und Übertragung von Parasiten und Krankheiten.

  • Neophyten/Neozoen können toxische Wirkungen auf andere haben.

  • Einwandernde Arten können durch eine genetische Adaptation an die neue Umwelt neue Eigenschaften entwickeln, wie z.B. neue Freßgewohnheiten, die irreversiblen Schaden anrichten können.

  • Oft können Neophyten in der Wasserwirtschaft Hindernisse in Kanälen, Rohren und Becken darstellen (z.B. Wandermuschel) oder Fischereigewässer gefährden (z.B. Wollhandkrabbe in der Elbe). Desweiteren können Neophyten Probleme bezüglich der Sicherung der Flußufer hervorrufen, vor allem Dammschäden, Uferabbrüche und Auskolkungen der Knötericharten nach Massenvermehrung.

  • Aus Sicht des Naturschutzes handelt eine Art richtig, wenn sie ihr Tun in der angestammten Heimat vollzieht.

  • Für den Naturschutz stellen Neophyten ein Problem, wenn sie Schutzgüter/-objekte wie Arten, Lebensgemeinschaften, -räume oder das Landschaftsbild betreffen und gefährden und dabei zu einer Verschärfung der Gefährdungssituation von bedrohten Arten beitragen. Daher sind Gegenmaßnahmen für artenreiche Magerrasen-Gesellschaften, Ruderalstandorte und Feuchtgebiete angebracht. Es handelt sich hier um nur wenige Arten: Goldrute, Springkraut, Riesenbärenklau, Topinambur, Knöterich. Das Anliegen des Naturschutzes ist es, die Vielfalt und Vergesellschaftung von Arten auch unter regionaltypischem Aspekt zu bewahren. (Böcker 1995)

  • Anthropochoren, mit direkter oder indirekter Hilfe des Menschen in ein Gebiet gelangte Arten, erlangen 5-50% (Inseln, Städte) der Arten des Gebietes (Böcker 1995)


2. Positive Effekte
  • In einem artenreichen und reich strukturierten Lebensraum können Neophyten zu einer Bereicherung beitragen.

  • Neophyten besitzen teilweise ganz spezielle Bestäubergruppen, welche auf sie angewiesen sind, da zur spezifischen Neophyten-Blütezeit keine anderweitigen Nektar- und Pollenquellen vorhanden sind (Hummeln sind lernfähig an Springkraut und stellen sich darauf ein).

  • Neozoen wie die Wandermuschel können unabdingbare Nahrung für überwinternde und rastende Wasservögel sowie für Fische sein.

  • Da die Menschen ebenfalls zu einem Organismuskomplex gehören, erklärt sich auch der Nachzug von Arten als Nahrung, Schmuck und Medizin.
  • Einige Neophyten vermögen verwüstete Habitate zu bereichern und schützen.

3. Diskussionsansätze
  • Meistens wurde der Einfluß und Schaden von einwandernden Arten überschätzt. Gebietsfremde Populationen reduzieren sich momentan wieder, was auch die Sichtweise einer Gefährdung durch Neophyten/Neozoen verändert hat. So befindet sich beispielsweise die Lebensgemeinschaft im Rhein in einer großen Dynamik infolge des Rückganges der Verschmutzung. Massenentwicklungen von Neozoen können sich damit auch im Laufe der Zeit regulieren, wie z.B. die Wandermuschel. (Schiller 1996, Kinzelbach 1995, Tittizer 1996)

  • Nach einer explosionsartigen Ausbreitung zu Beginn der Einwanderung folgt ein Einpendeln auf einem niedrigeren Niveau. Dies ist die Folge des Überangebotes an Nahrung für Konsumenten und Parasiten und deren Zunahme. Somit reguliert sich die Populationsdichte selbst. Diese Stabilisierung gilt gleichzeitig auch als Etablierung der Art in der neuen Lebensgemeinschaft. Ein Erlöschen einer einheimischen Makroinvertebraten-Population infolge der Überformung (Faunenverfälschung) konnte noch nicht festgestellt werden, es erfolgt lediglich ein Abnahme von Neozoen. (Tittizer 1996)

  • Die in der Einbürgerung wirklich erfolgreichen und somit gefährlichen Arten betragen nur 1% der Arten, die ihren Standort verändern. Das verdeutlicht, daß uns die gewaltigen Veränderungsvorgänge aus mangelndem Erfolg bei der Einbürgerung unbewußt bleiben. Es zeigt aber auch gleichzeitig die Schwierigkeit der Einbürgerung und reduziert dadurch Schreckensvorstellungen.

  • Neue Arten gab es schon zu unterschiedlichsten Zeiten (z.B. Zeitalter der Entdeckung 15./16. Jahrhundert) und in allen Gruppen. Vor drei Jahrmillionen kam z.B. durch die sich schließende mittelamerikanische Landbrücke ein gewaltiger inneramerikanischer Artenaustausch zustande ohne größere Probleme hervorzurufen (Südamerika gehört seither zu den artenreichsten Kontinenten).

  • Auch längst eingebürgerte Arten erzeugen Massenvorkommen (Quecken, Weidenröschen).

  • Einheimische Arten waren nicht immer urheimliche Arten. Sie sind im vergangenen Jahrhunderte aus anderen Regionen (bes. dem pontisch-mediterranen Raum) eingewandert (z.B. Feldhasen, Kaninchen, Felslerche, Kartoffel, Getreide). (Reichholf 1996)

  • Neophyten stellen grundsätzlich keine Gefahr für die Natur dar, denn sie sind selbst ein Teil der Natur. Wohl können sie aber regional oder lokal Probleme hervorrufen, indem sie Ziele des Arten- und Biotopschutzes gefährden. In solchen Fällen können Kontrollmaßnahmen vertretbar sein.

  • Unter ethischen Grundsätzen dürfen Neophyten als Mitlebewesen nicht vergessen werden. So kann die Giftigkeit noch kein Anlaß zur Bekämpfung sein.

  • Die Angst vor Neophyten/Neozoen als Angst vor dem Starken, Vitalen, vor Kompromißlosigkeit und unerschöpflicher Potenz stellt vielmehr ein psychologisches Problem dar (Böcker 1995)

  • "Naturschutz ist Wertung und keine einfach feststellende Ökologie" (Reichholf 1996, S.39). Es geht also um Wertungsfragen. Daher muß vielmehr differenziert vorgegangen werden; die Natur kann nicht in gut und schlecht, richtig oder falsch unterteilt werden.

  • Die Frage nach Verlust oder Bereicherung hängt vom Blickwinkel des Beobachters ab.

  • Neophyten müssen nach Arten differenziert und fallbezogen betrachtet werden! Denn einerseits ist im BnatSchG §20d Abs.2 eine Genehmigung für die Aussetzung gebietsfremder Arten gefordert, andererseits stehen einige Neophyten auf der Roten Liste, was Maßnahmen zu Schutz und Erhalt zur Folge hat. So erweist sich der Topinambur gleichzeitig als Nutzpflanze und lästiger Neophyt zugleich - Ist er nun eine schlechte oder gute Pflanze? (Schwabe 1991, Kinzelbach 1995, Böcker 1995)

  • Vorerst kann man einwandernde Arten als neutral bezeichnen. Menschliche Nahrungsquellen und der Wunsch nach dem Schutz bestimmter bedrohter Arten lassen Neophyten/Neozoen zu einem Problem werden. (Kinzelbach 1995)

  • "Faunen sind daher, wie auch die Floren, abstrakte, aus einem bestimmten Zeitquerschnitt durch einen höchst dynamischen Strom bezogene Konstrukte, die sich nicht als ´naturgegeben´ festlegen lassen. Ökologie [kann] nur feststellen, welche Arten hier und jetzt vorkommen, aber nicht festlegen, welche hier und jetzt vorkommen sollen!" Dies muß "der Naturschutz selbst treffen". (Reichholf 1996, S.43)

  • Der Naturschutz sollte nicht feststellen, was richtig ist, sondern womit er seine "Zielsetzungen im Dienste der Natur am effektivsten umsetzen kann" (Reichholt 1996, S 47). Mit einem konservierenden Naturschutz läßt sich die große Aufgabe der Erhaltung der Biodiversität wohl nicht bewältigen. Historisch gewachsenes und neue Entwicklungen müssen ineinander greifen. Daher darf man sich nicht auf Vergangenes beschränken. Neue Arten werden immer kontinuierlich, aber unvorhersagbar kommen.

  • Die Urbiodiversität kann nicht als Leitbild gelten. Der heutige Zustand ist Ausgangsbasis für den nächsten. (Lelek 1996)

  • Spricht man von Faunenverfälschung, so muß man sich fragen, ob der frühere Zustand richtig oder besser war.

  • Bedürfen nur die gebietsfremden Pflanzen einer Kontrolle, die einheimischen, als gut erachtete nicht?

  • Strebt man eine Reinheit der Rasse an, so setzt man die Wirkung der natürlichen Selektion außer Kraft.

  • Areale und Ökosysteme unterliegen einer Dynamik. Wenn die Fauna/Flora ohnehin dynamisch ist, wie und durch was kann sie dann verfälscht werden? Wenn sich Wechselverhältnisse zwischen Arten und Systemen nicht festlegen lassen, wie können dann Arten verdrängt, verändert und beschädigt werden? (Reichholt 1996, Jungbluth 1996, Tittizer 1996)

  • Es fällt oft schwer, natürliche Dynamik von der menschgemachten zu unterscheiden.

  • Dynamik sollte akzeptiert werden, um keinen "Einheitsbrei" zu erhalten, wie der Mensch seine "Einheitsform" geschaffen hat (Reichholf 1996, S 46). Dies schaffte er nur, indem er sich von den äußeren Rahmenbedingungen des Lebens unabhängig machte.

  • Wird die Dynamik in der Natur akzeptiert, bedeutet nicht jeder Rückgang ein Alarmsignal oder jede Zunahme eine Bedrohung.

  • Durch Veränderung von Ökosystemen entsteht ein Faunendefizit, das Neozoen/Neophyten auffüllen. Damit läuft ein natürlicher Prozeß ab.

  • Es hängt meist von ökonomischen Interessen ab, welche Arten als gefährlich oder nicht, gut oder schlecht eingestuft und behandelt werden. Dabei werden auch heimische Arten für schädlich erklärt (z.B. Kormoren). Folgende Beispiele können dies erleutern: Biologische Schädlingsbekämpfung (faunenfremd!), Jagd, Angelsport und Fischerei (fremde Arten müssen diesen Zielen entsprechen, werden künstlich eingesetzt), Landwirtschaft und Forst (95% der mitteleuropäischen Landflächen wird von nicht gebiets- oder flächentypischen Arten bestanden). Je nach Interessenlage werden dabei bestimmte Arten dem Zugriff des Naturschutzes entzogen oder zugebilligt (Kartoffelkäfer-Kartoffel, Fischotter-Bisamratte, Enten-Wandermuschel).

  • Man darf die Schadensproblematik nicht von "einheimisch" oder "fremd" abhängig machen. Denn aus der Ökologie ist dieses zweigeteilte System nicht abzuleiten.

  • Tiere und Pflanzen, die über die natürliche Leistungsfähigkeit der Natur hinausgehen, entstehen nur durch Hege, Zufütterung oder Haustierhaltung. Überhöhen sich Populationen kurzfristig, vermindern sie sich auch wieder selbständig, wenn man sie nur sich selbst überläßt. Denn sowohl die unbeeinflußte als auch die anthropogen veränderte Natur bedürfen keiner Regelung durch den Menschen. Sie müssen nur dann geregelt werden, wenn beabsichtigt wird, einen ganz bestimmten Zustand aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen.

  • Arten hängen nicht so eng von ihren ökologischen Nischen ab, wie immer angenommen. Somit bestehen Ausweichmanöver bei einer Neukomposition von Gesellschaften.

  • Für die künstliche Neuansiedlung wäre das Verursacherprinzip eventuell von Nutzen. Natürlich einwandernde Arten sollten nur mit dengleichen Gründen bekämpft werden, die auch auf künstlich eingebürgerte Arten angewandt werden.

  • Angst besteht aufgrund ungenügender Information (Forschung) über die Folgen von Neozoen. Potentielle Gefahren werden dabei mit hohen Wahrscheinlichkeiten gleichgesetzt, konkrete Gefahren sind jedoch kaum untersucht und schwer nachweisbar. Korrelationen und kausale Zusammenhänge sind verstärkt zu untersuchen. (Bezzel 1996)

  • Ohne die in den letzten 500 Jahren eingeschleppten Arten zu Zucht- und Zierzwecken wäre unsere Speisekart ärmer und die Kulturlandschaft kaum vorstellbar (Tittizer 1996).
VII.Literatur
  • DVWK (Hrsg.): Neophyten - Gebietsfremde Pflanzenarten an Fließgewässern - Empfehlungen für die Gewässerpflege, Mainz 1997.

  • Kinzelbach, R.: Neozoans in European Waters - Exemplifying the worldwide process of invasion and species mixing, In: Experentia, Nr 51, Basel 1995, S.526-538.

  • Kohler, A.: Neophyten in Fließgewässer - Beispiele aus Süddeutschland und dem Elsaß, In: Schriftenreihe für Vegetationskunde, Heft 27, Bonn 1995, S.405-412.

  • Meister, A.: Lebenszyklus, Autökologie und Populationsökologie der körbchenmuschel Corbicula fluminea und C. fluminalis, Heft Umweltplanung, Arbeits- und Umweltschutz Nr. 238, Darmstadt 1997.

  • Schiller, W., K.-H. Christmann, B. Schwenke: Neozoen - Neubürger in der Tierwelt des Rheins, In: Landesumweltamt NRW (Hrsg.): Jahresbericht 1995, Essen 1996, S.35-37.

  • Schwabe, A., A. Kratochwil: Gewässerbegleitende Neophyten und ihre Beurteilung aus Naturschutzsicht unter besonderer Berücksichtigung Südwestdeutschlands, In: Norddeutsche Naturschutzakademie (Hrsg.): NNA-Berichte, Jg. 4, Heft 1, 1991, S.15-27.

  • Bernauer, D., B. Kappus, W. Jansen: Neozoen in Kraftwerksproben und Begleituntersuchungen am nördlichen Oberrhein, In: Gebhardt, H., Kinzelbach, R., S. Schmidt-Fischer (Hrsg.) Gebietsfremde Tierarten, Landsberg 1996, S.87-95.

  • Bezzel, E.: Neubürger in der Vogelwelt Europas: Zoogeographisch-ökologische Situationsanalyse - Konsequenzen für den Naturschutz, In: Gebhardt, H., Kinzelbach, R., S. Schmidt-Fischer (Hrsg.) Gebietsfremde Tierarten, Landsberg 1996, S.241-260.

  • Böcker, R., H. Gebhardt, W. Konold, S. Schmidt-Fischer: Neophyten - Gefahr für die Natur? Zusammenfassende Betrachtung und Ausblick, In: Böcker, R., H. Gebhardt, W. Konold, S. Schmidt-Fischer (Hrsg.): Gebietsfremde Pflanzenarten, Landsberg 1995, S.209-213.

  • Jungbluth, J.H.: Einwanderer in der Molluskenfauna von Deutschland, In: Gebhardt, H., Kinzelbach, R., S. Schmidt-Fischer (Hrsg.) Gebietsfremde Tierarten, Landsberg 1996, S.105-122.

  • Lelek, A.: Die allochthonen und die beheimateten Fischarten unserer großen Flüsse - Neozoen der Fischfauna, In: Gebhardt, H., Kinzelbach, R., S. Schmidt-Fischer (Hrsg.) Gebietsfremde Tierarten, Landsberg 1996, S.197-215.

  • Reichholh, J.H.: Wie problematisch sind die Neozoen wirklich?, In: Gebhardt, H., Kinzelbach, R., S. Schmidt-Fischer (Hrsg.) Gebietsfremde Tierarten, Landsberg 1996, S.37-48.

  • Tittizer, T.: Vorkommen und Ausbreitung aquatischer Neozoen (Makrozoobenthos) in den Bundeswasserstraßen, In: Gebhardt, H., Kinzelbach, R., S. Schmidt-Fischer (Hrsg.) Gebietsfremde Tierarten, Landsberg 1996, S.49-81.

  • Umweltministerium Baden-Württemberg (Hrsg.): Kontrolle des Japanknöterichs an Fließgewässern, Teil I und II, Stuttgart 1994 bzw.1995.

01.03.1999 copyright Angela Altmaier